Schulformen

Schulformen in Baden-Württemberg

Grundschule
Die Grundschule wird von den Schülerinnen und Schüler für vier Jahre besucht. Sie ist die gemeinsame Grundstufe des Bildungswesens. Der Kern liegt darin die verschiedenen Begabungen der Kinder in einem gemeinsamen Bildungsgang zu entfalten. Jedes Kind wird individuell und entsprechend seinen Lernmöglichkeiten gefördert.

Seit 2014 gibt es ein im Schulgesetz verankertes Ganztagsschulkonzept. Darin werden zwei Formen aufgeführt: eine verbindliche Form, die einen Ganztagsbetrieb vorsieht und eine Wahlform, die neben Ganztagsschülern auch Halbtagsschüler unterrichtet.

Die Einschulung wird seid einiger Zeit flexibler gehandhabt und es gibt bereits Fremdsprachenunterricht in den Fächern Englisch und Französisch ab der ersten Klasse. Ziel ist es die Förderung aller Kinder zu unterstützen.

Die bisher bekannten Schullaufbahnempfehlungen nach der Grundschulzeit wurden mit dem Schuljahr 2012/2013 abgeschafft. Die Entscheidung über die weiterführende Schule liegt nun in der Hand der Eltern, die regelmäßige Beratungen der Grundschule in Anspruch nehmen können.

Hauptschule und Werkrealschule
Nach der Grundschule kann die Hauptschule besucht werden. Mit einer landesweit zentralen Abschlussprüfung nach der neunten Klasse gelangt man zu seinem Hauptschulabschluss. Geeignete Schüler können auch ein zehntes Schuljahr absolvieren. Dieses Schuljahr vermittelt eine erweiterte allgemeine Bildung. Am Ende steht ein Abschlussverfahren und vermittelt einen dem Realschulabschluss gleichwertigen Bildungsstand.

Die Werkrealschule ist der Hauptschule gleichgestellt. Sie kann in einem durchgehenden Bildungsgang bis zur Klasse 10 besucht werden und wird mit der Mittleren Reife abgeschlossen. Ansonsten wird sie nach der 9. Klasse mit einem Hauptschulabschluss beendet.

Diese weiterführende Schulart ist stark berufsorientiert. Im Vordergrund stehen lebensnahe Aufgaben und Sachverhalte.

Realschule
Die Realschule kann nach der Grundschule für sechs Schuljahre besucht werden. Abgeschlossen wird mit dem Realschulabschluss. Die Klassenstufen 5 und 6 gelten als Orientierungsstufen. Ab der Klasse 7 können sich die Schülerinnen und Schüler spezialisieren. Es kann zwischen „Technik, Mensch und Umwelt“ sowie Französisch entschieden werden.

Nach dem Realschulabschluss stehen viele Berufs- und Bildungswege offen. Mit einer Berufsausbildung in den Bereichen Industrie, Handwerk, Handel und Verwaltung kann neben dem erfolgreichen Besuch einer Fachschule sogar die Fachhochschule erreicht werden. Ebenfalls kann man einen staatlich anerkannten Abschluss als beispielsweise Techniker oder Betriebswirt erworben werden.

Die Fachhochschulreife kann aber auch auf weiteren Wegen erreicht werden: Zum einen durch eine berufliche Ausbildung in einem Berufskolleg oder zum anderen nach der Berufsausbildung durch den Besuch an einem einjährigen Berufskolleg. Häufig entscheiden sich Realschüler nach ihrem Abschluss für ein berufliches oder allgemeinbildendes Gymnasium um die Hochschulreife zu erwerben. Die Hochschulreife kann am Ende der Klasse 6 und 7 durch den Besuch eines Aufbaugymnasiums erworben werden.

Gymnasium
Das Gymnasium baut auf die Grundschule auf. Seit dem Schuljahr 2004/2005 wurde die Dauer auf acht Jahre reduziert. Allerdings sollen bis 2024/2025 44 Modellschulen eingeführt werden, welche wieder für neun Jahre besucht werden sollen. Abgeschlossen wird das Gymnasium mit der Abiturprüfung. Damit wird die Zugangsberechtigung für ein Studium an einer Universität oder Hochschule erworben. Das Abiturzeugnis wird auch als Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife bezeichnet.

43% der Schüler in Baden-Württemberg wechseln von der Grundschule direkt aufs Gymnasium. Neben dem Gymnasium kann das Abitur auch beispielsweise durch den Besuch von Aufbaugymnasien mit Internat erlangt werden. Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten können das Aufbaugymnasium besuchen, welches ab der 7. Klasse beginnt. Hier werden vor allem die kreativen, musischen und sportlichen Talente gefördert. Ebenfalls steht es Schülerinnen und Schülern mit mittlerer Reife offen, durch ein berufliches Gymnasium die allgemeine Hochschulreife zu erreichen.

Während des gymnasialen Bildungsgangs kann zwischen einem naturwissenschaftlichen oder sprachlichen Profil gewählt werden. Neben den typischen Sprachen wie Englisch und Französisch werden nun auch weitere moderne Sprachen gewählt. Dazu gehören Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Russisch, Türkisch, Japanisch oder Chinesisch. Einige Gymnasien bieten auch Profile im Bereich Musik, Bildende Kunst oder Sport an. Mit dem Bildungsplan 2016 wird auch das Fach Informatik angeboten. In den letzten drei Jahren der Oberstufe wird mit dem Kurssystem gearbeitet. Neben den Kernkompetenzfächern Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache, die verbindlich besucht werden müssen, gibt es zahlreiche weitere Wahlmöglichkeiten innerhalb der Fächergruppen. Daraus werden zwei weitere Neigungsfächer gewählt. Diese fünf Fächer werden schließlich auf höherem Niveau unterrichtet.

Eine neue Reform der gymnasialen Oberstufe sieht ab 2019 vor, dass nur noch drei Leistungsfächer gewählt werden sollen. Das erste und das zweite Leistungsfach kann aus Deutsch, Mathematik, verschiedenen Fremdsprachen und Naturwissenschaften gewählt werden. Das dritte Leistungsfach kann frei gewählt werden. Zukünftig soll die Abiturprüfung aus drei schriftlichen und zwei mündlichen Prüfungen bestehen. Die „Null-Punkte-Prüfung“ ist ebenfalls eine Neuerung ab 2019. Nur wer in allen Fächern mindestens einen Punkt erreicht, bekommt die Abiturprüfung zugesprochen.

Gemeinschaftsschule
Diese Schulform wurde 2012 eingeführt und gewinnt zunehmend an Zuspruch. In den Klassenstufen 5-10 ist es eine verpflichtende Ganztagesschule. Das Abitur kann nach 13 Schuljahren in Gemeinschaftsschulen mit Sekundarstufe ll abgelegt werden. Falls dies nicht möglich ist, können die Schülerinnen und Schüler nach der 10. Klasse in die gymnasiale Oberstufe, an ein berufliches Gymnasium wechseln oder eine Ausbildung beginnen.

Sonderschule und private Schule
Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen und einem hohen sonderpädagogischen Förderbedarf steht ein ausgebautes und differenziertes Sonderschulwesen zur Verfügung. Damit können trotzdem alle Bildungsabschlüsse der allgemeinen Schulen erreicht werden. Eltern können seit dem Schuljahr 2016/2017 für ihre Kinder selbst entscheiden, ob eine Sonderschule oder eine Regelschule besucht werden soll.

Berufliche Schule
Die Berufsschulen decken in Baden-Württemberg den größten Bereich des beruflichen Schulwesens ab. Die Berufsschulen unterteilen sich in weitere sechs Schularten. Diese können sich in ihrer Dauer und ihrem Inhalt stark unterscheiden. Eines haben die Berufsschulen jedoch gemeinsam: Die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis im Betrieb und der Berufsschule. Dank diesem dualen System können die Berufsschülerinnen und Berufsschüler nach ihrem Abschluss direkt ins Berufsleben starten.

Das berufliche Schulwesen bietet berufsqualifizierende und allgemeinbildende Abschlüssen. Sie können vom Hauptschulabschluss bis zur allgemeinen Hochschulreife reichen.